Neue Projekte an historischen Orten


Liebe Gäste und Interessenten unseres Adebar-Reiseteams,

Das vergangene Jahr 2020 war für viele von uns ein schwieriges Jahr, touristische Reisen aus der EU nach Russland und umgekehrt waren nicht möglich. Auch für das Kaliningrader Gebiet kann das Jahr 2020 mit keinem der Jahre zuvor verglichen werden.  Sie werden positiv überrascht sein, wieviel interessante Projekte sich derzeit im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau des kulturellen Erbes an historischen Stätten sich in der Entwicklung befinden oder sogar schon abgeschlossen sind.

 

Nicht nur die Kurorte an der Ostsee wie Cranz oder Rauschen mit guter Infrastruktur, sondern auch die vielen kleineren Städte in der grünen Provinz wie z.B. Gerdauen, Insterburg, Tilsit und Ragnit konnten dank der Förderung ganze Stadtbezirke umgestalten und verschönern. Zahlreiche dieser Projekte sind durch die Initiative engagierter Einzelpersonen entstanden. Diese vielversprechenden Entwicklungen möchten wir Ihnen nach und nach vorstellen, beginnend mit der Stadt Ragnit am Ufer der Memel und dem Projekt VON KÜSTE ZU KÜSTE im Kreis Labiau.


AKTUELLE ÜBERSICHT DER PROJEKTE - Stand 20. August 2021

  •  AN DER MEMEL

          - DIE ALTE ORDENSBURG ZU RAGNIT

          -  KÄSEREI und RESTAURANT DEUTSCHES  HAUS IN RAGNIT

          -  HOTEL IMKERHOF UNTEREISSELN  und WANDERWEG DAUBAS

  •   VON KÜSTE ZU KÜSTE - GRENZÜBERSCHREITENDES PROJEKT IM KREIS LABIAU / POLESSK

         -   WANDERWEG AM HAFF ENTLANG NACH RINDERORT - Info folgt

          -   DAS MUSEUM ALTE DORFSCHULE WALDWINKEL

         -    DAS RESSOURCE- UND BEGEGNUNGSZENTRUM IN DER EHEMALIGEN BRAUEREI BLANKENSTEIN IN LABIAU

 


An der Memel - Die alte OrdensBurg zu Ragnit

Bericht Eduard Politiko

Infos und Fotos Ivan Artiuch

In den vergangenen Jahren wurde Neman/Ragnit zunehmend auch über das Kaliningrader Gebiet hinaus bekannt. Ganz besonders, seit Ende Juni 2020 die Corona- Einschränkungen in Russland deutlich gelockert wurden und dadurch Reisen innerhalb Russlands bei geschlossenen Außengrenzen möglich wurden. Besonders beeindruckend für die zahlreichen russischen Touristen waren zunächst die majestätischen Ruinen der Ordens-Burg Ragnit, aber gleich danach eine kleine Käserei namens „Tilsit-Ragnit“ (in der Region Kaliningrad sind die deutschen Namen beliebt), die weniger als 100 Meter von der Burgruine entfernt liegt.

 

Initiator dieser interessanten ambitionierten Projekte, zu denen neben der Sanierung der Ruine der Ordensburg und der Käserei mit angeschlossenem Restaurant und einem kleinen Hotel im Fachwerkstil in der Innenstadt von Ragnit auch die Wiederherstellung des historischen Wanderwegs Daubas am Memelufer von Ragnit nach Untereisseln gehört, ist der Unternehmer Ivan Artiuch. Aus Novobobrujsk / Ilmsdorf bei Friedland stammend, ist Ivan Artiuch schon seit seiner Jugend von der reichen Geschichte Ostpreussens, nun seiner Heimat, fasziniert.


Widmen wir uns zunächst der Ordensburg

Kupferstich Ragnit - 17. Jahrhundert
Kupferstich Ragnit - 17. Jahrhundert

Geschichtliches

 

Der Initiative von Herrn Artiuch ist es zu verdanken,  nach  jahrzehntelangen Stillstand und Verfall  die Steine dieser einst mächtigsten Ordensburg im nördlichen Ostpreussen aus ihrem Dornröschenschlaf heraus zu neuem Leben zu erwecken.

 

Anstelle der prussischen Holzburg Raganita errichten die Deutschen Ordensritter die mächtige Ordensburg Ragnit. In den Jahren 1397 – 1409 erbaut, war sie das letzte große Bauwerk des Deutschen Ordens und mit einer Länge von 59 m, vier Stockwerken und einer  Außenmauer von ca. drei Meter Dicke die zweitgrößte nach der an der Nogat gelegenen Marienburg.

 

Im Verlauf einer wechselvollen Geschichte erlitt die Burg die Überfälle der Litauer im 15. Jahrhundert, der Polen, Tataren und Schweden im 17. Jahrhundert und auch der Russen während des 7 jährigen Krieges. Ihre Mauern sahen Peter den Großen und Napoleon. Ab 1825 war hier ein Gefängnis untergebracht und nach einem Brand im Jahr 1828 bei dem die Burg völlig ausbrannte, wurde sie erst 1840 wieder aufgebaut, jedoch bereits vollständig als ein Gefängnis.

 

Im Januar 1945 marschierte die Rote Armee in Ragnit ein, wobei die Burg nur leicht beschädigt wurde. In den Nachkriegsjahren versuchte man sie irgendwie an die wirtschaftlichen Bedürfnisse anzupassen. Leider blieben alle Versuche erfolglos, wahrscheinlich wegen ihres schlechten Ruhms als ehemaligem Gefängnis. An einigen Stellen versuchte man davon Ziegelsteine zu gewinnen, und Mitte der 70er Jahre wurde sie als Kulisse zum Drehen von Kriegsfilmen, was sie schließlich völlig zur Ruine verwandelt hat. Unter den Filmkameras wurden die Innenmauern gesprengt, das Dach brannte nieder und stürzte ein. Der letzte Film über den Krieg wurde dort 1995 gedreht, es ging um die Verteidigung der Brester Festung durch sowjetische Truppen im Jahr 1941.


Käserei, Restaurant und Hotel

Zur Vorgeschichte

Im Zentrum von Ragnit / Neman nicht weit entfernt von der Burg befindet sich eine kleine Käserei im Gebäude des ehemaligen Restaurants DEUTSCHES HAUS. Eigentümer ist Herr Ivan Artiuch.

Die  älteren  Leser unter Ihnen wissen vielleicht noch von diesem historischen Restaurant aus dem Jahre 1792, wohl eine der bekanntesten Gastwirtschaften in Ragnit, mit einem geräumigen und gemütlichen Restaurantsaal. In der Nachkriegszeit hatte dieses Gebäude das Glück, nicht in Ziegel zerlegt, sondern weiterhin als Restaurant genutzt zu werden. Aber mit der Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation seit Anfang der 90er Jahre gab es langsam  Niemanden mehr, der sich einen Restaurantbesuch leisten konnte. Die nur selten ankommende Reisebusse mit deutschen Touristen machten nur einen kurzen Halt am ehemaligen Marktplatz, fotografierten die Burgruine und fuhren, überrascht von der dort herrschenden Verwüstung, rasch weiter. So wurde das Restaurant im Laufe der Zeit geschlossen und das Gebäude selbst begann langsam zu verfallen.

 

2013 hatte das Gebäude ein erneutes Glück. Das für den Abriss vorbereitete Gebäude wurde von dem Unternehmer Ivan Artiuch, dem zu diesem Zeitpunkt die besondere Geschichte dieses Hauses noch nicht bekannt war, erworben. Nach einer Phase der aufwändigen Sanierung eröffnete er dann traditionsgemäß wieder ein Restaurant in diesem historischen Anwesen. Nachdem er bei einer Auktion durch Zufall eine alte Postkarte aus dem Jahr 1899 mit Blick auf die Gastwirtschaft ersteigert hatte, nannte er sein Restaurant DEUTSCHES HAUS. Es war 2015.


Von küste zu küste

IN 2019 GEWINNEN DIE REGION POLESSK / LABIAU (RU) UND DIE REGIONALVERWALTUNG KLAIPEDA (LT) MIT IHREM GEMEINSAMEN PROJEKT «VON KÜSTE ZU KÜSTE» - DEN INTERNATIONALEN WETTBEWERB FÜR GRENZÜBERSCHREITENDE ZUSAMMENARBEIT «LITAUEN-RUSSLAND»

Bericht Helli Aumann

Infos und Fotos - Inessa und Alexander Natalich


Das grüne Hinterland des Kurischen Haffs in der Region Polessk /früher Labiau gehört zu den ganz besonders malerischen Regionen Ostpreussen. Das Haff erfährt hier mit mehr als 40 km seine weiteste Ausdehnung, die Deime und viele Abflüsse des südl. Memeldeltas wie der Nemonienstrom, die Gilge u.a. münden hier ein. Zudem war der  Kreis Labiau die waldreichste Region im ehemaligen Ostpreussen und so ist es auch heute noch im Distrikt Polessk. Schon ab den 30er Jahren des vergangenen Jhdts. gab es hier zarte Anfänge für einen individuellen und organisierten Öko-Tourismus. Bauernhöfe und Dorf-Krüge an den zahlreichen Wasserstrassen / Wasserkreuzen boten Herberge für Wanderer, Fahrrad- und Motorradtouristen. Auch in meiner Familie träumte man davon, sich hier einmal mehr zu engagieren.

Wie wir alle wissen, nam die Geschichte einen anderen Verlauf und die hier nun lebenden neuen Bewohner hatten für lange Zeit andere Sorgen.

15. März 2013, Labiau Marina
15. März 2013, Labiau Marina

In der Zeit nach 1990 gab es dann einen hoffnungsvollen Neustart. Aus EU-Mitteln gefördert sollte grenzübergreifend die alte Schiffsverbindung Labiau /Memel, heute Polessk/Klaipeda wiederbelebt werden. Die politischen Gegebenheiten verhärteten sich leider schon vor der Realisierung und die schöne Idee dieser Schiffsverbindung fiel buchstäblich ins Wasser. In der Marina Labiau grüßen heute noch von weitem die kleinen farbenfrohen Bootshäuser, ein Relikt aus jener Zeit. 

 

Seit 2019  nimmt erneut diese Idee eines sanften und nachhaltigen Ökotourismus, der auch die Bevölkerung vor Ort einbezieht,  Gestalt an und wie es scheint, diesmal auch nachhaltig.

Das grenzüberschreitende Projekt "VON  KÜSTE Z U KÜSTE"

 

Im Anschluss an einen mehrjährigen Vorlauf mit einer Gebietsstudie unter aktiver  Einbeziehung der örtlichen Bevölkerung  gewinnt der Landkreis Polessk gemeinsam mit der Regionalverwaltung Klaipeda mit dem Projekt «Von Küste zu Küste» dem internationalen Wettbewerb für grenzüberschreitende Zusammenarbeit «Litauen-Russland» . Für die Umsetzung in 20 /21 erhielt der Landkreis bereits Geldmittel in Höhe von 237.590 Euro für die konkrete Förderung schon begonnener Projekte. Mittelfristig folgen sollen dann weitere Projekte zur weiteren Einbeziehung der Einwohner an der Entwicklung des ländlichen Tourismus. Für diese ländlich geprägte Region ein wichtiger Faktor zur Schaffung vieler kleiner dezentraler Arbeitsplätze und Einkommen. Ebenso sollen die gewonnenen wertvollen Erfahrungen und Strukturen so gesichert werden, dass sie als  Ressource  bzw. Modelle in zukünftige Projekt-Initiativen einfließen können.

Inessa Natalich und Sohn Alexander
Inessa Natalich und Sohn Alexander

 

Aktuell befinden sich drei Projekte in der Umsetzung bzw. werden unterstützt:

  • Ausbau einer Wanderroute entlang des Kurischen Haffs nach Rinderort mit          Einbeziehung der Anwohner -  z.B. mit  Gästezimmer, Fahrrad- und Bootsverleih,     Verkauf von Erzeugnissen aus dem eigenen Garten,  Einrchtung öffentlicher Badestellen u.v.m.   Infos folgen.
  •  Das Museum „ALTE DORFSCHULE“ in Waldwinkel / Iljitschowo
  • das Begegnungs- und Ressource-Zentrum in der "EHEMALIGEN GENOSSENSCHAFTSBRAUEREI BLANKENSTEIN“ in Labiau / Polessk.

Initiatoren dieser beiden erfolgreichen Vorläufer-Projekte sind Inessa Natalich und ihr Sohn Alexander Natalich. Vor allem  ihre  Eigeninitiative und jahrelange Vorarbeit hat als Fundament maßgeblich zum Erfolg des  Projektes VON KÜSTE ZU KÜSTE beigetragen.